2019-2024

Das neue Objekt war das ehemalige Sozialgebäude des Transformatoren-Werkes Schöneweide, Betriebsteil Niederschönhausen. Es stand seit fast 30 Jahren leer, hatte aber eine solide Bausubstanz. Zwar waren alle Fenster kaputt, es gab Löcher in den Wänden und in der Zwischendecke und es lag 25 Meter von der Straße zurückversetzt, aber der Standort bot Parkplätze, eine gute Möglichkeit der Belieferung (mit Anbau) und war wieder ein Ort mit Atmosphäre den man in eine schöne Verkaufsfläche verwandeln konnte.

Der Vermieter sorgte für den Anschluss der Medien, die Heizung, die Elektrik und den Parkplatz und ein dichtes Dach. Ich hingegen baute und sanierte, was das Zeug hielt, um ein neues zu Hause für Exedra zu schaffen. Schon die 146 Fensterflügel instand zu setzen war eine riesige Aufgabe. Die in dieser Zeit entstehenden Umsatzverluste waren immens, da ich kaum noch in Alt-Moabit im Geschäft war. Zum Glück hatte ich Freunde und Helfer und so ging es Stück für Stück voran. Die Hoffnung auf ein neues Objekt mit Lager und Showroom unter einem Dach gab mir viel Energie.

Das alte Lager wurde aufgelöst, Material recycelt, und unter abenteuerlichsten Umständen verwandelte sich alles nach und nach in ein Geschäft. Im Frühjahr folgte dann der Umzug. Der Vermieter in Moabit ließ mich ziehen, da er die Fläche sofort teurer an eine Galerie weitervermieten konnte – die später ironischerweise ein Opfer der Corona-Maßnahmen wurde.

Nach überstandenen Strapazen musste das Personal erneut reduziert werden, da das Geld einfach zu knapp wurde. Leider war ein weiterer Kredit unvermeidlich. So wurden die Kredite bei der Sparkasse immer wieder abgezahlt und anschließend erneut aufgenommen, ein kleiner Teufelskreis.

Den Standort kann man von der Lage gut als „C“ bewerten. Die Buchholzer Straße ist zwar gut befahren, aber sie ist einfach keine Ausfallstraße und das in einem Randbezirk. Das Umfeld ist bewohnt von Menschen aller Einkommensschichten. Um Exedra sichtbarer zu machen, stellten wir übergroße Stühle an der Straße auf – ähnlich wie schon in der Heidestraße auf dem Dach, diesmal allerdings ganze fünf Meter hoch. Durch das gewerbliche Umfeld schätzten vorbeifahrende mögliche Kunden das aber als Großhandel ein und erst nachdem sie doch aus Neugierde hereinkamen waren sie begeistert.

Zunächst lief es gut an, trotz der eher abseitigen Lage. Doch dann kam das nächste, viel größere Problem: die Corona-Massnahmen. Ich schreibe bewusst „Massnahmen“, da nicht die Krankheit oder das Virus selbst ausschlaggebend waren. Niemand kann heute exakte Zahlen nennen, da viele Fälle allein wegen der höheren Vergütung durch die Krankenkassen als „Corona“ behandelt wurden. Jedenfalls kamen Lockdown und die „Erziehung“ der Kunden zum Online-Shopping. Exedra befand sich in einem wirklich schönen Gebäude aber eben auch sehr abgelegen. So oft man darüber auch diskutiert hat, schon an der Blankenburger Straße neben Edeka wäre der Standort wesentlich besser gewesen….

Als zusätzlich die Sanktionen gegen Russland beschlossen wurden, traf das unsere Wirtschaft empfindlich. Die Inflation begann zu galoppieren, die Nachfrage sank, die Kosten stiegen – vor allem die Transportkosten. Wir stellten die Beleuchtung komplett auf LED um – wieder eine Investition.

Gleichzeitig nahmen die Sonderanfertigungen durch Szel-Mob und Dller deutlich zu. Immer mehr individuelle Möbel wurden geordert, entworfen und geliefert. Viele Kunden waren glücklich mit den einzigartigen Stücken. Doch diese Aufträge erforderten ein Höchstmaß an Aufwand, die Margen sanken, und Exedra konnte sich gerade so über Wasser halten. Meine Arbeitswoche hatte nie weniger als 80 Stunden und trotzdem habe ich sie sehr gerne gemacht. Die Kunden kamen aus ganz verschiedenen Richtungen : Empfehlungen, Google aber auch hin-und wieder Jemand der es doch entdeckte und neugierig herein spazierte.

Irgendwie hatte ich noch nicht die Hoffnung aufgegeben dass ich irgendetwas änderte an der Politik im Bezug auf den Handel. Die grüne Politik heizte den Online-Handel noch mehr an und wer sich einmal mit dem Anstieg der Warenströme auf den Autobahnen beschäftigt hat merkt schon dass es nur eine Schein-Politik war. Wirklich ökologisch ist da leider gar nichts, da muss man noch nicht einmal vom Verbrennen von Gas sprechen welches durch das üble Fracking gefördert wurde, eine wirklich üble Version der Umweltzerstörung.

Adresse : Buchholzer Str.59

13156 Berlin

2013-2018
2024-Ende
zur Übersicht