Politik

Wie wollen wir leben, wie wollen wir wohnen?

Das ist eines der schwierigsten Themen überhaupt. Die Strukturen unserer Städte sind historisch gewachsen, und für jedes Geschäft gibt es einen idealen Standort. Ein kleiner Möbelhändler braucht eine Fläche, die sich wirtschaftlich darstellen lässt. Das klingt ein wenig um die Ecke gedacht, heißt aber nichts anderes als: eine Fläche zu so geringen Kosten, dass man damit überleben kann. In der Praxis ist das nicht nur eine Herausforderung, sondern fast unmöglich.

Wer arbeiten will, wie es immer funktioniert hat, braucht eine größere Fläche für die Ausstellung, eine Anlieferungsmöglichkeit und Parkplätze in der Nähe. Je zentraler und frequentierter die Lage, desto höher die Miete. Für Wohnaccessoires ist eine Lauflage ideal, die Möbelausstellung dagegen kann auch in der ersten Etage liegen. Lager und Logistik sollten höchstens zehn Fahrminuten entfernt sein. Das ist machbar, wenn die Stadt mitspielt. Das tut sie aber selten. Die Stadt will Steuereinnahmen, tut aber wenig dafür.

Die Leerstandsquote sieht auf der Straße hoch aus, ist statistisch aber gar nicht so hoch. Trotzdem steigen die Preise weiter, weil der Markt seine Funktion verloren hat. Oder scheint es nur so? Das ist schwer einzuschätzen, denn es hängt auch von der Größe des Portfolios des Eigentümers ab. Wenn sich ein leerstehendes Objekt steuerlich nutzen lässt, zeigt das, dass die Anreize falsch gesetzt sind. Flächen mit diesen Eigenschaften gibt es kaum noch, und die hohen Mieten lassen sich im Wettbewerb mit dem Online-Handel nicht erwirtschaften.

Politik oder freier Markt?

Sollte die Stadtplanung solche Flächen bei der Entwicklung der Städte von Anfang an mitplanen, oder überlassen wir alles dem freien Markt? Das ist schwer zu bewerten. Unternehmen wie Jysk können hohe Mieten zahlen. Das liegt meiner Einschätzung nach vor allem an der hohen Rohkalkulation, denn die meiste Ware wird in Asien produziert. Dass es auch schiefgehen kann, hat Strauss Innovation gezeigt, deren Problem die hohen Mieten waren. Dass ein Markt gesättigt sein und die Nachfrage sinken kann, ist ebenfalls kein Geheimnis.

Merkwürdig finde ich vor allem: Überall ist von Ökologie und Klimawandel die Rede, aber der Online-Handel hinterlässt einen riesigen ökologischen Fußabdruck.

Die Grundsatzfrage

Am Ende geht es darum, ob wir die Entwicklung und Organisation unseres Lebens bewusst mitgestalten wollen oder ob alles nach dem Egal-Prinzip laufen soll. Eine gut gestaltete Stadt schafft nicht nur Geschäfte zur Versorgung, sondern auch Orte der Begegnung, Leben, Kultur und Aufenthaltsqualität. In den Niederlanden ist mir aufgefallen, dass das oft sehr gut gelingt. Natürlich liegt „gut” auch im Auge des Betrachters.


Was auch noch besonders krass war und ist : Die Nötigung durch Behörden. Die Verpackungsverordnung ist etwas, was dem gesunden Menschenverstand widerspricht. Wir haben nur Kartons und Füllmaterial der zu uns gelieferten Ware benutzt und tatsächlich nur Klebeband, Stretchfolie und Spanngurtmaterial gekauft. Also: Kleinstmengen. Trotzdem gelten wir als “Inverkehrbringer”. Man soll die Verpackungen lizensieren lassen. Also wurde beschlossen nicht anderes als Kosten produzieren. Wer macht so etwas? Wie krank ist Politik wenn sie sich nur gegen Menschen richtet?

Ungefähr 2016 war es als ein Mitarbeiter des LaGetSi, also des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin aufsuchte und uns aufforderte die Leuchten mit Energielabels zu kennzeichnen. Wir hielten das für einen schlechten Witz. Das Ergebnis nach einer Woche über 2000€ Strafe zahlen und dann an jede Lampe ein Schild auf dem stand dass man da Leuchtmittel der Energieklassen A bis E reinschrauben kann. Das ist horrend dämlich und der wahre grüne Unsinn ….

Eine kleine Auflistung von Möbelgeschäften die in den letzten Jahren geschlossen wurden. Ob diese Geschäfte selbst aufgaben, ob sie in die Insolvenz rutschten, vom Vermieter gekündigt oder ob sie einfach das Ende des laufenden Mietvertrages nutzten….man weiß es nicht.

In mindestens 2 Fällen weiß ich sicher dass die offiziell genannten Gründe nicht wirklich der Realität entsprachen… :

Möbel Wikinger, Möbel Pohl, Möbel Eck Lenz, Who’s Perfect, Good Old Goods, Holzconnection, Stilwerk, Karel Möbel, Design-Attack, Regale-Berlin, Exil, Moove Wohnen, Dan-Natura, Möbel Hübner, Living in Mahlsdorf, Inlignum, WohnDesigner, Kanthaus, Furniture Sredzki 22, Casa Innatura, Tischfabrik, Thomas Herrendorf, Studio Ziben, Mycs, Habitat, 16 Boxes, Marktex,Fashion for Home, Zopfstil, Geo’s Wohnen, Bettkonzept, Plan 4 , Lunamario, Art & Weise, Moabiter Möbel, Rattanmöbel Erdt, Bambus Dreams, Kusian,Möbel-Domeyer, Anderle, DanBo, Brasil Möbel, Jean et Lili, Sitzfeldt, 3star, Ambiente und Lebensart….

Mein nächstes Projekt beschäftigt sich mit Verkehr und Stadtplanung, zunächst lokal. Danach möchte ich versuchen, Grundsätze der aktuellen Stadtplanung aufzuzeigen. Seit fünf Jahren sammle ich dazu Informationen. Es ist ein sehr komplexes Thema, und besonders schwer ist es, an Zahlen zu kommen, denn Preise für Infrastruktur sind selten öffentlich. Hoffentlich kann ich am Ende auch ein Möbelgeschäft mit einplanen.

Auf geht’s!